: Gesellschaft

Antworten gegen Armut

Armut ist kein „persönliches Problem“ – neben einer „guten“ Arbeit sind Wohnen, sozialstaatliche Leistungen und Inklusion entscheidende Faktoren gegen Armut. Die SGBCISL-Generalsekretäre zum Welttag zur Beseitigung von Armut am 17. Oktober.

Antworten gegen Armut
Viele Familien haben Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen - auch in Südtirol. Symbolbild Pixabay

Armut hat viele Gesichter, die Armutsfaktoren sind häufig miteinander verflochten. Laut Erhebungen von Caritas und ASTAT lebt etwa jede fünfte Familie in wirtschaftlicher Unsicherheit. Diese Familien haben Schwierigkeiten, sich eine angemessene Wohnung, bestimmte Gesundheitsausgaben oder eine gute Ernährung zu leisten. 

Der Mangel an materiellen Gütern geht oft auch mit sozialer Unsicherheit, gesundheitlichen Problemen und geringeren Bildungsaussichten einher, was die Chancen auf eine Verbesserung des sozialen Status verbaut und zu einem Teufelskreis führt, aus dem die Betroffenen ohne wirksame, strukturelle Unterstützung nur schwer herauskommen.

Armut ist nicht nur eine Frage des Einkommens, sondern der Arbeit im weiteren Sinne. Immer mehr Menschen sind prekär beschäftigt, die Entlohnung reicht nicht aus, um sich eine Zukunft aufzubauen. Das verbreitete Phänomen der „working poor“, welches besonders Alleinerziehende, Frauen, junge Menschen und Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund trifft, beschreibt ein anderes Bild von Südtirol, das sich der hohen Lebensqualität rühmt, wo aber Probleme wie Ungleichheiten und unsichere Beschäftigung ungelöst bleiben. 

Armut ist nicht nur eine Folge von Arbeitslosigkeit, sondern hängt auch mit dem wirtschaftlichen und sozialen System zusammen.

Der Blick der Politik richtet sich oft mehr auf die Armut als Sachverhalt als auf deren Ursachen. Dass zu wenig für den Abbau von Hürden und für die Inklusion unternommen wird, offenbart eine wenig kohärente Prioritätensetzung. Wenn dann einige politische Kräfte auf Populismus setzen und Armut stigmatisieren, birgt dies die Gefahr, dass die Ursachen der Not in den Hintergrund rücken. Dazu zählen die Problembereiche prekäre Beschäftigung, zu teurer Wohnraum, ungenügende Unterstützungen und Inklusionsbemühungen. 

Hinter jeder Zahl stehen Menschen. In unserer täglichen Arbeit sind wir mit Geschichten konfrontiert, die von den Schwierigkeiten im Alltag erzählen, für die es aber konkrete Antworten braucht. Wir fordern die gesamte Gesellschaft und in erster Linie die Politik auf, Armut nicht als „persönliches Problem” der Betroffenen abzutun, sondern als Frage der Grundrechte und der sozialen Gerechtigkeit zu erkennen. Nur so können wir eine Gesellschaft weiterentwickeln, die Würde, Sicherheit und Chancen für alle bringt.

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