Die Debatte über die angedachte Ausweitung der Öffnungszeiten der Kindergärten in den Sommermonaten muss unter Berücksichtigung mehrerer Aspekte und Bedürfnisse geführt werden.
Der Bedarf und die Nachfrage der Eltern nach Betreuungsangeboten für ihre Kinder steigen. Es ist zweifellos notwendig, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dafür braucht es langfristige Lösungen, die verschiedenste Aspekte berücksichtigen. Die bloße Ausweitung des Schulkalenders – so wie sie von einigen angedacht wird – ist keine solche Lösung, sondern allenfalls eine „Abkürzung“, die verschiedene Faktoren außer Acht lässt.
Wenn das Hauptproblem das Sommerbetreuungsangebot ist, dann können diese Betreuung und dieses Bildungsangebot - wie es bereits heute in verschiedenen Einrichtungen der Fall ist – auf Spiele und Freizeitaktivitäten aufgebaut sein, wobei Personal mit der entsprechenden Ausbildung eingesetzt wird, wie z. B. Erzieher/innen und Animateur/innen aus Vereinen oder Organisationen des dritten Sektors. Sie haben diese Art von Kinderbetreuung bisher in der unterrichtsfreien Zeit erbracht und garantieren Qualität und Professionalität.
Diesen einen Großteil ihres „Marktes“ zu nehmen, würde in vielen Fällen die Einstellung der Tätigkeit und die Entlassung von Mitarbeiter/innen bedeuten.
Das Land könnte in diese von Vereinen und Organisationen erbrachte Betreuung investieren indem es diese während der unterrichtsfreien Zeit in die Kindergärten integriert und kostenlos anbietet.
Zur Rolle und Aufgabe des Kindergartens. Der Kindergarten ist Teil des Bildungssystems, seine pädagogische Ausrichtung ist somit auf die Lern- und Entwicklungsbedürfnisse der Kinder ausgelegt. Die Rechte der Kinder müssen dabei absoluten Vorrang haben. Daran orientieren sich die Richtlinien des Landes, welche für das Schuljahr ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Entwicklung, Kompetenzerwerb und Unterhaltung bzw. spielerischen Momenten vorsehen. Der Schulkalender ist davon nicht losgelöst, er muss all diesen Punkten und diesem Rahmen Rechnung tragen.
Gleichzeitig braucht das Kindergartenpersonal angemessene psychophysische Erholungszeiten. In den Kindergärten herrscht bereits Personalmangel, und bis 2030 wird mehr als ein Drittel des derzeitigen Personals in Rente gehen (wobei schon jetzt viele ihren Beruf aufgeben, Kindergärtner/innen wie Lehrpersonen). Woher also das Fachpersonal nehmen? Die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern wird diese Jobs nicht attraktiver machen (und dabei geht es nicht nur um die Arbeitszeit, wie uns mancher glauben machen will). Es braucht mehr gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung für diese Berufe und Entlohnungen, die der Ausbildung und der Verantwortung des Personals entsprechen.
Wir erwarten uns von den politischen Entscheidungsträgern, dass sie diese Herausforderungen detaillierter und gründlicher angehen und bewerten, mit mehr Weitblick als bis zu den Landtagswahlen 2023.
Das Landessekretariat
