Italien setzt EU-Richtlinie um: Mehr Lohntransparenz soll mehr Lohngleichheit bringen. Für die CISL „ein wichtiger Schritt“.
Die EU hat 2023 eine Richtlinie zur Lohntransparenz verabschiedet. Ziel ist es, über mehr Informations- und Offenlegungspflichten für Unternehmen bestehende Einkommensunterschiede sichtbarer zu machen und Lohn-Benachteiligungen zu reduzieren. So müssen Unternehmen den Job-Bewerber/innen bereits in der Stellenanzeige Angaben zur Entlohnung liefern. Größere Betriebe müssen regelmäßig das Lohngefälle erheben und gegebenenfalls begründen. Bei Verstößen gibt es Sanktionen für die Unternehmen.
Die Mitgliedsstaaten müssen die Richtlinie bis Juni 2026 umsetzen. Italien ist dem im Mai über das gesetzesvertretende Dekret Nr. 96 nachgekommen, es ist am 1. Juni im Amtsblatt veröffentlicht worden.
Die CISL sieht in der Veröffentlichung des Dekrets im Amtsblatt einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Instrumente für mehr Einkommensgleichheit zwischen Männern und Frauen. Die neuen Transparenzmaßnahmen können dazu beitragen, Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt besonders zwischen den Generationen offenzulegen.
Die CISL weist aber auch darauf hin, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen außerhalb der Arbeit entsteht, wenn die ungleiche Verteilung von Pflege- und Betreuungsaufgaben den Frauen den Zugang zu Überstunden, Turnusarbeit, Zusatzaufgaben usw. erschwert und sie in die Teilzeit treibt. Insofern birgt die Entscheidung, bei der Erhebung der Einkommensniveaus fixe und dauerhafte Lohnelemente zu berücksichtigen und variable außen vor zu lassen, das Risiko, Formen von indirekter Diskriminierung nicht erfassen zu können, welche aber zum Lohngefälle beitragen.
Insgesamt ist die Gesetzesneuerung für die CISL ein Schritt in die richtige Richtung. Um den geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschieden noch wirksamer begegnen zu können, ist es notwendig, im Zuge der Umsetzung weitere Verbesserungen zu erreichen, und die Lohntransparenz mit umfassenden Maßnahmen zur Vereinbarkeit, zur Umverteilung von Pflegelasten und zur Arbeitsqualität zu verbinden.
„Mehr Information und Transparenz bei der Lohnstruktur erleichtert es Arbeitnehmer/innen, die eigene Entlohnung einzuordnen und hilft bei Lohnverhandlungen und eventueller ungleicher Behandlung.“
